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Entstehung unseres Heimatortes Eßbach

Im Volksmund "Masspich"

u.a. aus der "Volkswacht" vom 8.01.1983

 

Vorchristliche Zeit:

 

Wollen wir historische Ereignisse von Eßbach aus den Jahrhunderten vorchristlicher Zeit aufhellen, so ist das nach heutigem Wissensstand nur im Allgemeinen, entsprechend den Erkenntnissen der Geschichte des „Thüringer Raumes“ möglich.

 

Thüringen, einst Königreich, später fränkische Provinz und Teil des Herzogtums Sachsen, war niemals für sich ein Staatswesen. Geographisch ist es das Gebiet zwischen Werra und Unstrut und vom Kamm des Thüringer Waldes bis zum Harz.

 

Das Eßbacher Gebiet ist Teil des „ Wisentalandes“, wie unser Raum in seiner ältesten urkundlichen Erwähnung 1378 bezeichnet wurde.

 

Ortsmitte

 

Welche Erkenntnisse übermitteln uns die Lehrbücher?

 

Bis zum 2./ 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung waren germanische Stämme vom Norden bis an den Rand des Thüringer Waldes vorgedrungen. Zu ihren südlichen Nachbarn, den Kelten, entwickelte sich ein reger Handelsaustausch. An der Besiedlung unseres Gebietes waren im 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung die elbgermanischen Sueben, ,z.Z. des Kaisers Augustus der Stamm der Hermunduren, danach besonders der Rhein-Weser germanische Stamm der Chatten beteiligt.

 

Der Thüringische Stammesverband entstand durch die Verschmelzung der Hermunduren mit Teilen Rhein-Weser germanischer Gruppen und von Norden eingewanderter Angeln und Warner. Der Name „ toringi“ tauchte erstmals um 400 unserer Zeit in den Schriften des römischen Tierarztes Vegetius Renatus auf. In der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts wurde das mitteldeutsche Gebiet von den Hunnen beherrscht. Die Thüringer mußten ihnen Truppen stellen und sich 451 an der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (Frankreich) beteiligen.

 

Nach der Niederlage und dem Sturz der Hunnenherrschaft dehnten sich die Thüringer über ein Gebiet aus, das sich im Norden von der Ohre bis zum Main im Süden erstreckte.

 

Am Ende des 5. Jahrhunderts herrschte König Bisinus. Er suchte durch familiäre Bindungen mit benachbarten germanischen Stämmen Schutz gegen das Erstarken des Frankenreiches. So heiratete sein Sohn und Nachfolger Herminafrid, die Nichte des Ostgotenkönigs Theuderich des Großen, seine Tochter den Langobardenkönig. Die thüringische Bevölkerung setzte sich aus Freien und Unfreien zusammen, die von einer adligen Oberschicht beherrscht wurde. Betrieben wurde Ackerbau und Viehzucht. Sie lebten meist in Einzelgehöften, mit Wohn-und Stallgebäude, eingetiefter Webhütte und Kornspeicher.

 

Nach dem Tode des Ostgotenkönigs Theuderich, als für die Thüringer von dort kaum Hilfe zu erwarten war, erfolgte der erste Vorstoß der Franken 529 unter Chlodwigs Sohn Theuderich in das Gebiet der Thüringer. Doch erst ein gemeinsames Aufgebot beider fränkischer Teilreiche unter Theuderich und Chlotachar, zu dem noch die Unterstützung sächsischer Kontingente kam, brachte 531 die Unterwerfung Thüringens. Die Franken teilten das Reich auf. Der größere Teil, ausschließlich das Gebiet nördlich der Unstrut wurde fränkische Provinz. Später, im 7. Jahrhundert, setzten die Franken Herzöge zur Verwaltung des Landes ein.

 

Die Slawen wurden um 630 erstmals erwähnt. Sie drangen aus Böhmen und Mähren durch das Elbtal bis etwa zur Saale vor. Daraufhin setzte Frankenkönig Herzog Radalus zum Schutze der Ostgrenze des Reiches ein.

 

Im 7. und 8. Jahrhundert überschritten die Sorben, ein Stammesverband der Slawen, die Saale. Sie bewohnten Blockhütten und betrieben Ackerbau, Viehzucht, Bergbau und lebten von der Jagd, vom Fischfang und der Imkerei. Die Gefäße, die durch Wellenbänder oder Einstiche verziert waren, wurden mit der Hand bearbeitet.

 

Die Besiedlung durch die Slawen erfolgte in drei Abschnitten. Die erste Gruppe, persönlich freie Bauern, mußten die fränkische Staatsgewalt anerkennen. Zwischen 800 und 1000 siedelte man zahlreiche Slawen an, die durch kriegerische Ereignisse zu Kriegsgefangenen und Hörigen wurden.

 

Nach 1000 setzten die Feudalherren Slawen zum inneren Landesausbau ein. Im Laufe der Zeit des gemeinsamen Zusammenlebens nahmen sie das Christentum an und gingen im 13. Jahrhundert im deutschen Volkstum auf

 

Postkarte

 

Zusammenfassend ist abzuleiten:

 

Der Thüringer Raum war schon Siedlungsgebiet vor der Zeitwende und über Jahrhunderte Schauplatz kriegerischer Machtkämpfe. Zeugnisse sind die zahlreichen historischen Bodenfunde, auch im näheren Raum, z.B. im Orla und Altorlabereich zwischen Neustadt und Saalfeld oder um Rudolstadt. Der im Gegensatz stehende geringe Fundnachlaß im südöstlichen Raum, z.B. des Schleizer Hochlandes, belegt die zumindest für diese Zeit sehr lückenhafte Besiedlung. Jene schwierig als Siedlungsgebiet zu erschließenden Höhenlagen, wurden ohne Besiedlung von Menschen begangen, bejagt und erst relativ spät ständig besiedelt. Diese Folgerung gilt auch für die Umgebung Eßbach´s

 

Beim Alter von Eßbach streiten sich die bisherigen Auffassungen um den ansehnlichen Zeitraum von rund 300 Jahren. In nicht wenigen Fällen (wie schon bei Bergner 1901 und bei Qedinger 1961 ) wird das Dorf als das alte ,,Visbach ,,aus einer Grenzbeschreibung vom Jahre 1071 angesehen und wäre damit der urkundlich älteste Ort unseres Kreises. Aber diese alte Ortsangabe bezieht sich wohl eher auf eine spätere Wüstung dieses Namens bei Neundorf. Der überwiegende Teil der Veröffentlichungen zur Heimatgeschichte (darunter die profilierten Wilhelmi 1865 und B. Schmidt 1892) nennt dagegen erst 1402 als die älteste urkundliche Erwähnung des Dorfes, als sich zu diesem Zeitpunkt der ortsansässige Adel von Posseck ,,zcu Espich ,, mit der Stadt Schleiz über den Besitz des Gutes ,,Wüste Dietrichsdorf“ (Wüstendittersdorf) einigte.

 

Die erste sichere Angabe von Eßbach war dann allerdings doch einige Jahrzehnte älter. Im Jahr 1378 ist die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes ,,Espech ,,als Zubehör des Schlosses Ziegenrück im Registrum dominorum marchionum Missnensium dem Verzeichnis der Besitzungen der Landgrafen von Thüringen und Markgrafen von Meißen ( abgedruckt bei Beschorner 1933 1.Bd. Seite 124 ). Unter den Dörfern des Amtes Ziegenrück, in denen die Grafen das ,,Halsgericht ,,besaßen, wird auch der Ort ,,Espech ,,erwähnt. Diese Erwähnung dürfen wir als die älteste gesicherte für Eßbach ansehen. In den Herrschaftsbereichen haben sich seit Mitte des 14. Jahrhunderts in den Verwaltungsstrukturen die Ämter herausgebildet. Unter anderem auch das Amt Arnshaugk, welches für Eßbach zuständig war.

 

Der Wettiner Friedrich der IV., ,,der Streitbare ,,erhielt 1423 die Kurwürde des ehemaligen Herzogtums Sachsen mit den Kurlanden um Wittenberg. Von da an sprach man nicht mehr in erster Linie vom Landgrafen Thüringen oder Markgraf von Meißen, sondern vom Kurfürst von Sachsen.

 

So kam das jetzige Land Sachsen, wie auch die thüringischen Fürstentümer, verbunden mit ihren Residenzstädten zu ihren Namen. 1485 teilten seine Enkel Ernst und Albrecht das wettinische Gebiet. Ernst erhielt die westliche, also die thüringische Hälfte und die Kurlande um Wittenberg, somit auch die Kurwürde. Albrecht erhielt die meißnischen Anteile ( Meißen, Dresden, Freiberg und Chemnitz). Von nun an sprach man von einer ernestinischen und einer albertinischen Linie.

 

Anger

 

Da Eßbach zum Amtsbereich Ziegenrück gehörte, kam es 1485 bei der „Leipziger Verteilung“ an die ernestinische Hauptlinie der Wettiner. Nach der Schlacht bei Mühlberg im Jahr 1547 und Kapitulation von Wittenberg und der späteren Befreiung des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen wurde das Amt Ziegenrück ausdrücklich für die Ernestinische Linie reserviert. Aber schon im Jahre 1567 wurde infolge der Grombach`schen Händel nach Beendigung des Gothaer Krieges das Amt Ziegenrück nebst Arnshaugk, Weida und Sachsenburg als Unterpfand für die aufgelaufenen Kriegskosten durch eine kaiserliche Kommission an den Kurfürsten August von Sachsen übergeben und fiel somit an die Albertinische Linie.  Es kam dann als ein Teil des ,, Neustadter Kreises ,,1660 endgültig an das Kurfürstentum, seit 1806 Königreich Sachsen. Im Jahr 1815 wurde der ,,Neustadter Kreis“ von Sachsen an Preußen abgetreten, das ihn zum größten Teil an Sachsen — Weimar — Eisenach weitergab. Nur Teile der Ämter Ziegenrück und Neustadt, darunter auch Eßbach verblieben bei Preußen, das aus diesem Gebiet 1816 den Kreis Ziegenrück des Regierungsbezirkes Erfurt bildete. Dabei ist es bis 1945 verblieben. Von der Auflösung des Preußischen Regierungsbezirkes Erfurt im Jahre 1945 war auch der Kreis Ziegenrück betroffen. Am 1. Oktober 1945 wurde das Gebiet in den Kreis Saalfeld eingegliedert. Am 26. April 1950 kam dann Eßbach per Gesetz an den Landkreis Schleiz, bei dem es bis 1994 verblieb.  Seit der Gemeindegebietsreform 1994 gehört es zum neu gebildeten Saale – Orla – Kreis in Thüringen. Sie ist Mitgliedsgemeinde der 1995 gegründeten Verwaltungsgemeinschaft Ranis-Ziegenrück.

 

Zur älteren Geschichte von Eßbach sind schließlich doch einige gesicherte Fakten zu nennen. Im 15. Jahrhundert (1487 etwa) existierte im Ort umfangreicher Adelsbesitz nebeneinander in den Händen derer von Posseck, Scheidingen und Obernitz . Allein die von Obernitz besaßen hier Rittergut, Vorwerk und Siedelhof. Die Stadt Ziegenrück kaufte 1487 von Jobst von Posseck das Vorwerk in Eßbach mit allen Zubehör einschließlich dem ,. Schlohaken ,,, aber mit Ausnahme der hohen Jagd (Jagd auf Hochwild ). Die Stadt erwarb 1613 auch ,, das Andertheil des Rittergutes Eßbach ,, und erweiterte seinen Besitz im Dorf ganz beträchtlich. 1661 wurden 2/3 desselben an die Kolbeschen Kinder abgetreten und zerschlagen. Vom Gut und vom Vorwerk waren jedoch (nach Leonardi 1790) schon 1779 keine Gebäude mehr vorhanden.

 

 

 

 

Brunnen